Antworten • Antwort schreiben • Guildo-News Geschrieben von Manfred Mader am 15. Januar 2003 um 00:54:
Als Antwort auf: trierischer volksfreund - Götter, Grabscher und Geehrte geschrieben von sixties am 13. Juli 2002 um 08:27:
>Gegen die Öffentliche Meinung hat auch das größte Genie einen schweren Stand: Elke Sommer ist die Stimme des Volkes und Martin Johannes Kränzle der antike Fiedler OrpheusFoto: Willi Speicher
>Im Himmel ist die Hölle los oder: Hölle, du Himmel auf Erden - "Orpheus in der Unterwelt" eröffnet die zweite Runde des Festivals
>
>Von unserem Redakteur
>RAINER NOLDEN>
>TRIER. Die Götter wissen zu leben, und in der Hölle amüsiert man sich auch göttlich: Es kann also nur noch schöner werden für uns Erdlinge. Behauptet jedenfalls Jacques Offenbach in seiner frechen Mythen-Persiflage.
>Beim zweiten Mal klappt‘s meistens besser als beim ersten. Das war jedenfalls die einhellige Meinung aller Wiederholungsseher, die Offenbachs unverwüstlichen "Orpheus in der Unterwelt" in diesem Jahr als Da capo bei den Antikenfestspielen in den Kaiserthermen goutierten - sternenklar und regenfrei (ein Rekord: die sechste Vorstellung in Folge, ohne dass die Beteiligten sich unter ein Dach flüchten mussten!). Und als Iux primae noctis war‘s allemal ein bekömmliches Drei-Akte-Menü, das nur stellenweise ein wenig überwürzt beziehungsweise zu bissfest war, inszeniert und aufpoliert vom Intendanten und Festspielerfin- der Heinz Lukas-Kindermann.
>Die (fast komplette) alte Garde von 2001 hatte er um sich versammelt, spielfreudig, gut gelaunt, exzellent disponiert, zu jedem Jux und jeder Dollerei bereit in einer Ausstattung von Susanne Thaler, deren Eiffelturm in diesem Jahr zusätzlich vom französischen Hahn gekrönt war. Zwar prickelten nicht alle Witze wie Champagner; ein bisschen zuviel politische Sticheleien, die sich zudem zu oft wiederholten, sind schnell ausgereizt. Operette ist nun mal in erster Linie kein politisches Kabarett, und wenn sie es doch zu sein ver- sucht, geht es, so nicht ein bril- lanter "Script Doctor" am Werke ist, meistens daneben, und man kriegt leicht das Gefühl, sich unter Niveau zu amüsieren.>Immerhin: Statt der vergnügungssüchtigen Pariser Gesellschaft der 1850er Jahre, die der Kölner Offenbach verhohnepipelte, hatte Lukas-Kindermann lokale Honoratioren aufs Korn genommen, die er samt Klerus, versteht sich in der Hölle schmoren ließ. Das sorgte allemal für heitere Reaktionen aus dem Publikum, das sich auch heftig charmieren ließ vom selber (!) Geige spielenden Orpheus. Martin Johannes Kränzle ist zwar kein Oistrach, aber wann hat es das schon mal gegeben, dass ein Sänger sich selbst auf der Violine begleitet? Und dazu mit sehr viel Witz, Selbstironie und vor allem baritonalen Schönklang eitles Künstlertum auf den Steg nimmt.
>Ein sanftes Kätzchen, das es faustdick hinter den Ohren hat, ist Carmen Fuggiss‘ Eurydike, von liebreizendem Blond und stimmlich prächtig auf der Rolle. Doch man lasse sich nicht täuschen von der weiß gekleideteten Unschuld: Das Bett im Kornfeld teilt sie nur zu gern (und mit den altbekannten handlungsauslösenden letalen Folgen) mit ihrem Lover Aristeus/Pluto (schön schmierig und echt satanisch: Günter Barton), der ihrer im Hades schnell überdrüssig wird und sowieso ständig mit seinen Händen an irgendeinem anderen Po herumgrapscht. Aber, mein Gott, ein Teufel ist ja auch nur ein Mensch, und ein bisschen Spaß muss sein.
>Den hat (oder hatte) auf jeden Fall auch Jupiter alias René Kollo. Von Tannhäusers Wartburg auf den griechischen Olymp: Unterm Strich betrachtet gar keine so schlechte Karriere. Kollo spielt mit seiner (Bühnen-)Figur und seiner Wagner-Vergangenheit, lässt sich gutmütig-geschmeichelt ehren wie ein göttlicher Heldentenor, nimmt das alles und sich selbst nicht wirklich ernst und mit vielen Körnchen Salz: Da ist einer so richtig eins geworden mit seiner Rolle, und er hat auch noch eine Menge Spaß dabei.
>Wie auch nicht, wenn er das Auge wohlgefällig über seiner ansehnlichen Töchter Schar schweifen lässt und weniger wohlgefällig die Gattin Juno (schön spitz und zickig: Angela Schmid) im Auge hat? Als da wären (in alphabetischer Reihenfolge) Eva Maria Günschmann als eulenbewehrte Minerva, Göttin aller Künstler; Annette Johannsson, als amazonenhafte, in Gold gefasste Venus eine Art Reinkarnation von Rita Hayworth; Kathryn Krasovec als teenagerhaft giggelnder, blau-rosa gewandeter Cupido, und Vera Wenkert als frustrierte Diana, mit deren Lieblingsstier ihr zumindest bei den Töchtern auf Tugend bedachter Vater kurzen Prozess gemacht hat. Manfred Rath gibt einen barocken Bacchus, Nico Wouterse den allzeit zum Kampf bereiten Mars, und Andreas Scheel ist als Merkur ein wandelnder Briefkasten in Postgelb.
>Die Öffentliche Meinung ist wieder Elke Sommer. Als Maîtresse de Plaisir führt sie lässig-souverän und mit charmanter Boshaftigkeit durch den Abend und singt, dass sich die Balken(-Überschriften) biegen. Nur das Ballett agierte syn- chron wie ein Ameisenhaufen. Sei‘s drum: Wer kann beim Can-Can in der Hölle Glut schon auf den Gleichschritt achten und dann noch einen Spagat hinkriegen?
>Die Überraschung des Abends aber war Guildo Horn, der applausumtost beweisen durfte, dass er mehr kann, als Deutschland beim alljährlichen Schlagerschwachsinn an den Rand des Sieges zu führen. Sein Styx war das komödiantische Glanzlicht des dritten Akts, aufgepeppt von einem Mini-Fußballmatch mit OB Schröer, der aus der vierten Reihe den Ball ein wenig fußlahm retournierte ("Danke, Helmut!"). Nun gut, bis zum Tamino wird Horn es wohl nicht mehr bringen in diesem Leben, da mangelt es ihm doch an tenoralem Glanz, aber als Frosch würden wir ihn schon sehr gern sehen in der nächsten "Fledermaus", auch wenn‘s da nix zu singen gibt.
>Das Orchester, links im Abseits und dennoch mit verblüffend gu- ter Akustik, spielte süffig, klangsatt und in Champagnerlaune, wobei es allerdings ein paar Wackelkontakte zu den Sängern gab. Denn GMD István Dénes hatte mitunter sichtlich Schwierigkeiten, den Blick von den reschen Mädels auf der Bühne ab- und zu seinen Mannen hinzuwenden. Doch kann man‘s ihm verdenken?
>Tja, Leute, solltet Ihr jetzt Lust auf den Orpheus kriegen, vergesst es: Es gibt keine Karten mehr. Für Ungläubige trotzdem Termine und Info-Nummer: 13. und 14. Juli; 0651-718-1818.
>Quelle: http://www.intrinet.de/news/kultur/97987.php3
Das Lesen ergab: da ist ein Nolden niedergeschrieben, wie er sich gehört ...
Hallo Rainer - weiß auch nicht, wie ich auf die Trierer ... wie hießen sie noch ??? gekommen bin (und muß eigentlich jetzt auch zu Bett gehen: ist bei älteren Herren so ...)
Nix desto trotz hat mich dabei mein TIERISCH schlechtes Gewissen keulenartig getroffen (nö, streich das ... war in der Formulierung überzogen).
Will mich hier auch nicht weiter drüber auslassen - may be this account is public - ich ruf dich in den nächsten Tagen mal an ...
Grüß mal bis dahin deine gesamte familiäre Crew !M+S+N+M+P