Götter, so launisch wie das Wetter


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Geschrieben von tina am 13. Juli 2001 um 10:13:

Götter, so launisch wie das Wetter - Heinz Lukas-Kindermann inszeniert "Orpheus in der Unterwelt" bei den Antikenfestspielen in Trier

Die (antiken) Götter sind launisch und manchmal auch grausam. Das ist bekannt aus der Mythologie. Und um Mythisches ging es ja an diesem Abend, um die Orpheus-Sage

m Klartext: Nach Monteverdis "Orfeo" haben die Antikenfestspiele in Trier Offenbachs Operette (oder opera-bouffe) "Orpheus in der Unterwelt" herausgebracht - und damit ihr Schwerpunktthema, den Orpheus-Mythos, diesmal im ironischen Zerrspiegel des großen Satirikers des zweiten französischen Kaiserreiches vorgestellt. Dafür wurde die Besetzung prominent verstärkt: der Trierer Intendant Heinz Lukas-Kindermann, Gründer, spiritus rector der Antikenfestspiele und um Einfälle nie verlegen, hatte Rene Kollo, den Wagner-Heros der siebziger und achtziger Jahre, für die Rolle des Jupiter, Filmdiva Elke Sommer für die der Öffentlichen Meinung, Schauspielerin Gitte Haenning als Juno und Popsänger Guildo Horn als Styx gewonnen.

Wie aber eingangs festgestellt, sind die Götter launisch und haben es diesmal mit dem Sommerwetter gar nicht gut gemeint. Bereits nach wenigen Minuten musste der erste Akt unterbrochen werden, und nach der Regenpause ging die Vorstellung bei ausgesprochen unfreundlich nördlichen Temperaturen über die Bühne der Kaiserthermen.
Allerdings hat es sich gelohnt, trotzdem auszuharren. Denn vor der historischen Kulisse wurde ein sehr vergnügliches, opulentes Spektakel serviert. Lukas-Kindermanns beschwingte, pointenreich verspielte Inszenierung brachte bizarres, übermütig entfesseltes Musiktheater und traf recht genau den Nerv der Offenbachiade. So ging es auf der Bühne stets bewegt und lebendig zu; die Personenregie war durchweg genau und fantasievoll. Selbstverständlich wurden die Texte geistreich retuschiert mit tagesaktuellen Anspielungen auf Meinungsumfragen, Wahlkampagnen, Parteiengezänk, Parteispendenaffäre und einiges mehr.
Ein Kapitel für sich bildete Susanne Thalers Ausstattung, die die antike Szenerie ausgesprochen raffiniert für ihre spielerisch dekorative Bildkompositionen nutzte, mit einem praktikablen Bau auf der schon aus dem Monteverdischen "Orfeo" bekannten Drehbühne, der im ersten Akt als ironisches Gartenarrangement und im zweiten Teil (von der hinteren Seite gesehen) als in rotes Licht getauchte, morbide Unterwelt fungierte. Links und rechts zwei Türen, der Eingang zum Konservatorium von Theben mit Instrumenten und Violinschlüssel, auf der anderen Seite allerlei Insektenfiguren als Anspielung auf Jupiters Flirt mit Eurydike in Fliegengestalt. Äußerst apart die prunkvollen, zum Teil goldglitzernden Kostüme der Götter.
Elke Sommer, ganz Dame von Welt mit viel Esprit, wartete mit einer schaupielerischen Glanzleistung auf, Rene Kollo profilierte sich als Vollblut-Komödiant und Guildo Horn lieferte als melancholisch schwachsinniger Styx ein urkomisches Kabinettstück ab.
Als Orpheus zeigte Fabrice Dalis ansprechende vokale Anlagen, und Carmen Fuggiss war eine bis auf gelegentliche Schärfen sängerisch und darstellerisch gewandte Eurydike. Die musikalischen Vorgänge koordinierte Istvan Denes überlegen und elegant.

Termine
Weitere Vorstellungen: heute, morgen und übermorgen.

Von : Gabor Halasz





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