Von Golf-Sucht und Mehlknödel-Freuden


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Geschrieben von bettina am 10. Juli 2001 um 05:18:

Gerade auf dem Sprung Richtung Trier habe ich noch diesen Artikel im "Trierischen Volksfreund" gefunden.

Viele Grüße und vielleicht bis Mittwoch
Bettina


Von Golf-Sucht und Mehlknödel-Freuden

Von Zicken keine Rede: Die Promis bei der Orpheus-Produktion sind umgänglich und pflegeleicht

Von unserer Redakteurin
SUSANNE WINDFUHR

Dürfen antike Größen dem Laster der Rauchens frönen? Zumindest dann, wenn sie sich durch angestrengtes Proben die Zigarettenpause verdient haben, wie hier Elke Sommer, Guildo Horn und Gitte Haenning.Foto: Friedemann Vetter
TRIER. René Kollo zieht's ins Bett, Elke Sommer auf den Golfplatz, Gitte in den Biergarten und Guildo zu Muttern – und zwar in der Zeit, in der die vier Stars nicht gerade in den Kaiserthermen für die Aufführung der Operette "Orpheus in der Unterwelt" proben.

Guildo Horn genießt eindeutig Heimvorteil. Und zwar doppelt und dreifach. Nicht nur, dass er als kurzzeitig fürs Theater engagierter Darsteller ganz und gar ohne Stadtplan in Trier auskommt. Oder, dass er schon während der Proben haargenau weiß, wo er im Anschluss an die selben seinen Porz Viez bestellen und genießen wird. Vielmehr ist Guildo Horn deshalb ein Glückskind, weil er mit diesem Engagement gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt.

Da ist zum einen der Auftritt in den alt ehrwürdigen Kaiserthermen (so der Wettergott mitspielt), "mit ein Grund dafür, warum ich das Angebot überhaupt angenommen habe", sagt Horn. "Das ist schon space hier", unterstreicht er schwärmend, ohne näher zu erläutern, was er mit dem Begriff space so alles assoziiert.

Vor allem aber, und das liegt dem ausgewanderten Ur-Trierer besonders am Herzen, ist er auf diese Weise mal wieder für ein paar Tage zu Hause. Daheim bei Familie und Freunden, für die er sich zwischen beziehungsweise nach den Proben Zeit nimmt und die ihn während der Proben auch immer mal wieder besuchen.

Guildo wohnt im Hotel Mama

Die ersten Tage hat Guildo im Hotel gewohnt, am vergangenen Wochenende ist er zu "Muttern", Lotti Köhler, übergesiedelt. Sein Lieblingsgericht gab es natürlich auch schon. "Das Problem war nur, dass die Proben an diesem Tag etwas länger gedauert haben. Meine Mutter hat dann mal über Handy nachgefragt und die Mehlknödel schließlich aufgewärmt." Darüber hinaus braucht Guildo in Trier nicht viel, genießt es, mal wieder durch die Stadt zu laufen und dabei so manche Entdeckung zu machen: "Ich bin erstaunt, wie viele Geschäfte inzwischen zugemacht haben. Als ich das letzte Mal in Trier war, gab´s noch das Café Bley."

Dort hat die Dänin Gitte Haenning noch nie gesessen, "denn an Trier mit seinen furchtbaren Autobahnanschlüssen bin ich früher immer nur vorbeigefahren." Das Problem mit dem Auto stellt sich dieses Mal ja nicht, Gitte erkundet Trier zu Fuß oder mit ihrem roten Fahrrad. Und was sie dabei an Eindrücken gesammelt hat, findet sie "nicht schlecht und gar nicht übel – das ist bei mir ein Kompliment", erläutert die in Berlin lebende Künstlerin. An Rom, wo sie als junges Mädchen fünf Jahre gelebt hat, erinnere sie die Stadt. "Trier verbindet Geschichte und eine selbstverständliche Größe. Ich spüre ein gewisses Format bei den Menschen hier."

Von kleinerem Format hingegen könnte nach ihrer Vorstellung die Unterkunft sein. "Ich bevorzuge kleine, gemütliche Häuser, auch wenn es an unserem Hotel weiß Gott nichts auszusetzen gibt." Dort hat sie vor wenigen Tagen eine Suite bezogen: "So kurz vor der Premiere muss ich mich ausbreiten, all meine Energie strömen lassen." Kraft und Energie zieht sie vor allem auch aus Farben. "Die Garderobe, die ich mit habe, ist bunt, knallig."

Fünf Düfte in der Suite

In Gitte Haennings Koffer gehört bei einer solchen Reise auch immer "eine ganze Batterie Parfums. Fünf Düfte stehen im Hotelzimmer." Auch auf andere Düfte verzichtet sie niemals in fremden Zimmern: Gleich nach ihrer Ankunft hat sich Gitte bunte Blumensträuße besorgt. Drei Bücher illustren Spektrums, darunter eines zum Thema Blutgruppen, liegen auf dem Nachttisch. Lieber als vor dem Einschlafen zu lesen geht Gitte allerdings nach den Proben einen Viez-Sprudel trinken. In einem kleinen, gemütlichen Biergarten, mehr wird nicht verraten. "Sonst sitze ich da demnächst nicht mehr so gemütlich."

Ruhe zum Entspannen und Regenerieren ist auch für Opernsänger René Kollo extrem wichtig. In den Zeiten zwischen den Proben steuert er das Hotel an und versucht, im Schlaf Energien aufzutanken. "Ich bin ja keine 20 mehr", erklärt er nüchtern. "Ich habe jetzt nur das Hotel gewechselt, weil das vorherige keine Klimaanlage hatte und mir die Temperaturen der vergangenen Tage zu schaffen gemacht haben." Im Anschluss an die Probe am Abend gönnt sich Kollo häufig noch ein Essen in einem Restaurant. Alleine, "ich brauche Ruhe zum Abschalten."

Die Stadt hat sich der viel gebuchte Künstler schon vor zwei Jahren angeschaut, als er das erste Mal bei den Antikenfestspielen auftrat. "Gemütlich, die hat Charme", findet er.

Ein Urteil, dem sich Schauspielerin Elke Sommer gerne anschließt. "Ich hasse Großstädte, mir gefällt der intime Charakter dieser Stadt." Auf eigene Faust hat sie die Stadt besichtigt, ist besonders beeindruckt von Amphitheater, Barbarathermen und Simeonstift. Auch die Trierer kommen bei der in Los Angeles lebenden Künstlerin auffallend gut weg: "Die Leute sind wahnsinnig freundlich und aufgeschlossen."

Offen aufgenommen worden ist Elke Sommer wohl auch als Gastspielerin im Golfclub in Ensch. "Ich bin seit fünf Jahren Golferin, der Sport macht süchtig. Ich brauche das zum Ausgleich, das ist meditativ."

Werbeträgerin im gesponsorten Auto

So hat sie in der als traumhaft beschriebenen Anlage nicht nur ihre Runden gedreht, sondern gleich auch einen Preis abgestaubt, wie Intendant Heinz Lukas-Kindermann mit beinahe väterlichem Stolz verkündet: "Sie hat bei einem Turnier den zweiten Platz gemacht und fährt jetzt mit einem gesponsorten Wagen für uns noch Werbung."

Überhaupt kommen Kindermann, angesprochen auf die Stars der Produktion, nur Lobes-Worte über die Lippen: "Das sind alles Profis, die ihr Handwerk verstehen und überhaupt keine Star-Allüren an den Tag legen." Die Gagen bewegten sich "im Rahmen", Sonderwünsche hätte niemand geäußert.

Auch Regie-Assistent Florian Burg, von Elke Sommer in mütterlichem Ton auch schon mal "Flori-Schätzchen" gerufen, bestätigt: "Alle vier sind am Boden geblieben, es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten."

Beste Vorzeichen also und wer weiß: Vielleicht ist in diesem illustren Kreis ja schon längst der Termin für ein Nachtreffen vereinbart worden – in ganz privatem Rahmen, zum Mehlknödel-Essen bei Mutter Köhler – nur pünktlich sollten alle sein.

© Copyright 2001 Trierischer Volksfreund




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