TV -INTERVIEW: Guildo ist nur eine von vielen Figuren


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Geschrieben von tina am 05. Juli 2001 um 14:35:

Guildo ist nur eine von vielen Figuren

Der Schlagerbarde aus Trier spielt bei der Operette "Orpheus in der Unterwelt” die Rolle des Hans Styx

Herr Horn, gehen Sie gerne in die Oper?
Horn: Ja, natürlich. Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne in die Oper. Ich bin schon als Kind mit dem Theater in Berührung gekommen. Meine Tante, Ingeborg Köhler, hat ja damals in Trier bei der Landeszeitung gearbeitet und viel fürs Feuilleton geschrieben. Als ich im MPG (Max-Planck-Gymnasium Trier) war, haben wir Schüler öfter mal im Theater-Chor mitgesungen. Im Wildschütz habe ich mitgespielt oder in den Carmina Burana. Ich finde die Welt des Theaters einfach sehr schön.

Was war dann Ihr erster Gedanke, als das Angebot kam, bei den Antikenfestspielen den Hans Styx zu singen?
Horn: Prima. Ich spiele unheimlich gerne Theater. Ich glaube, die Rolle des Styx liegt mir. Die Kombination ist toll. Ich spiele in meiner Heimatstadt Trier, in den Kaiserthermen und dann auch noch open-air. Das ist das Allerbeste.

Die Nachricht, dass Sie beim Antikenfestival spielen, ist zwiespältig aufgenommen worden. Wie stehen Sie zu der Kritik?
Horn: Also, ich bin grundsätzlich offenbar ein Mensch, der polarisiert. Das war ich schon immer. Ich glaube, die meisten Leute, die sich eine Kritik erlauben, haben mich noch nie live gesehen und hängen nur irgendwelchen Klischees nach, die sie in irgendeiner Zeitung und Magazinen gelesen haben. Und was die Medien über einen verbreiten, entspricht nicht immer der Wirklichkeit. Medien generell schreiben ein Drehbuch über dich, da spielst du manchmal überhaupt nicht mit. Kritik ziehe ich mir nur an, wenn sie fundiert ist. Für meinen Geschmack denken zu viele gerne in Schubladen. Das macht das Leben übersichtlicher. Ich denke quer. Für mich gibt es daher auch keine E- und U-Musik. Letztes Jahr habe ich Musical gespielt. Da war es genau dasselbe. Als ich in Garmisch angetreten bin, hatte der Bürgermeister Neidlinger ein Riesenproblem mit mir…

Die Kritiken waren doch sehr gut für Sie.
Horn: Ja, später. Aber im Vorfeld… Der Bürgermeister hat mir bei der Pressekonferenz noch nicht einmal die Hand gegeben. Ich kenne das mittlerweile. Es ist mir egal. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann.

Ihr Auftritt als Styx ist kurz, aber prägnant. Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rolle vor? Haben Sie Vorbilder?
Horn: Ich habe generell bei allen Sachen, die ich mache, noch nie einem Vorbild nachgeeifert. Ich bin, wie ich bin. Ich habe es lieber authentisch im Leben.

Haben Sie eine Idee von der Rolle?
Horn: Natürlich habe ich die. Ich komme mit meinen Vorstellungen und Herr Kindermann kommt mit seinen Vorstellungen. Wir nähern uns an. Ich lasse mich gerne auf seine Methodik ein. Das ist wie im Fußball. Dem Trainer muss man hundertprozentig vertrauen.

Aber Sie dürfen doch Ihre eigenen Vorstellungen einbringen?
Horn: Ja, logisch. Um im Fußball-Bild zu bleiben: Ein guter Trainer sieht die Stärken seiner Leute und setzt die Spieler auch so ein.

Im "Orpheus” werden Sie mit Opernstar René Kollo und Filmstar Elke Sommer auf einer Bühne stehen. Hat Horst Köhler davor Lampenfieber?
Horn: Überhaupt nicht. Mir ist egal, was jemand ist. Ich sehe auf den Menschen. Ich habe mit Star-Rummel sowieso nichts am Hut. Namen sind völlig uninteressant. Ich verstehe mich grundsätzlich als Teamspieler. Wenn ich Richtung Bühneneingang gehe und da sitzt der Portier, ist der mir genauso wichtig wie Elke Sommer oder Herr Kindermann. Ich nehme jeden Menschen wichtig. Anerkennung muss man sich als Mensch erarbeiten.

Sie waren ein erfolgreicher "Zauberer von Oz” beim eben erwähnten Garmischer Theatersommer, gaben in der Hamburger Staatsoper juxweise den Lohengrin und spielen nun in einer Operette. Brechen Sie schrittweise zu neuen Ufern auf?
Horn: Ich habe das immer schon gemacht. Ich habe mit 13 Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen und bin in vielen verschiedenen Musikstilen zu Hause. Gleichzeitig war ich im Kammerchor und im Landesjugendchor und in 'ner Countryband. All das habe ich immer schon parallel gemacht. Das Bild, das in die Öffentlichkeit gesendet wird, ist: Der Horn isst Nussecken, hat einen dicken Bauch und macht Spaß. Das stimmt, ist aber auch nur eine Figur. Es gibt ganz viele Figuren. Ein Urteil wie "Das passt nicht zu Dir” ist das Dümmlichste, was man meiner Meinung nach sagen kann.

Das wollte ich damit nicht sagen. Dennoch sind Sie mit Lohengrin und dem Zauberer in den letzten Monaten durch die Medien gegangen. Und Sie waren ja recht erfolgreich damit…
Horn: Also, im Moment arbeite ich an meiner neuen CD, ich spiele Theater, ich engagiere mich für Bafög (Bundesausbildungs-Förderungs-Gesetz). Ich war in Stuttgart bei einem Treffen von Deutschlands Top-Motivationstrainern und in Luxemburg bei einer Benefizgala für ein integratives Schulprojekt.

Besteht da nicht Gefahr, sich zu verzetteln?
Horn: Naja, auf der anderen Seite: Es wäre ein Grauen für mich, eines Tages so zu enden wie etwa Wolfgang Petry. Da klingt jede Platte gleich. Das hier ist mein Leben. Wenn ich mein Leben nur als Abziehbild meines eigenen Klischees verbringen müsste, würde ich mich total langweilen. Für mich ist es ganz wichtig, meine Freiheit zu haben. Ansonsten hätte ich einen anderen Beruf gewählt. Ich bin Unterhaltungskünstler. Da ist es für mich ganz wichtig, eben keine Grenzen zu haben.

Wagners Lohengrin sangen Sie in der Hamburger Staatsoper aufgrund einer politischen Wette. Damit wollten Sie beweisen, dass Politiker fantasielose Menschen sind. Wann kandidieren Sie für den Trierer Stadtrat, damit auch dort wieder mehr Fantasie in die Politik einkehrt?
Horn: Politik? Nee. Ich bin Künstler, weil ich meine Freiheit haben will. Ein Politiker muss das, was er sagt, umsetzen, und das zwingt zu Realismus. Ich bin lieber jemand, der die Leute unterhält und dazu beiträgt, dass alles etwas bunter wird. Ich glaube auch, die würden mich im Stadtrat gar nicht so recht wollen. Ich kann mir vorstellen, dass ich da ziemlich verzweifeln würde. Das ist nicht meine Baustelle. Ich war früher auch nie Klassenbuchführer.

Guildo Horn ist seit 1. April "Bafög-Botschafter” – eine Aktion der Bundesregierung. Warum?
Horn: Ich war selbst Bafög-Empfänger. Und ich finde, dass Bafög eine sehr wichtige Sache ist für Leute, die von Haus aus nicht so viel Geld haben. Die Reformation des Bafög finde ich toll, es ist viel übersichtlicher geworden. Es gibt mehr Geld, der Rückzahlungsmodus ist verbessert. Viele Leute glauben nicht, diese Möglichkeit zu haben. Da sage ich: Erkundigt euch, geht euren Leidenschaften nach. Wir haben zu wenig Fachkräfte, und die Berufsaussichten für Studienabgänger sind auch viel besser.

Sie unterstützen den 1. FC Köln, auch gesanglich zusammen mit Wolfgang Niedecken und Stefan Raab. Könnten Sie sich so eine Initiative für die Eintracht Trier vorstellen?
Horn: Letztes Jahr habe ich an dem Benefiz teilgenommen, als das Insolvenzverfahren lief. Aber ansonsten ist der Verein Eintracht Trier noch nie auf mich zugekommen. Fußballvereine sind moderne Unternehmen. Da geht es um Marketing, Image und Show. Deswegen wundert mich das. Ich habe viel Musik gemacht für Fußballvereine in Köln, Stuttgart, St. Pauli, Leverkusen, für Hertha BSC Berlin. Diese Clubs haben Spaß an Horn-Musik, und ich Spaß an geilem Fußball.

Guildo ist ja immer für eine Überraschung gut. Was werden Sie als Nächstes tun?
Horn: Zur Zeit arbeite ich eben am neuen Album, das Anfang nächstes Jahr erscheinen soll. Ich gebe Konzerte. Zu Weihnachten am 23. Dezember komme ich natürlich wieder nach Trier. Ganz klar. Ansonsten bastele ich noch an ein paar Sachen rum. Aber das ist alles noch nicht spruchreif.

Die Fragen stellte unsere Redakteurin Verona Kerl

Alle Vorstellungen von "Orpheus in der Unterwelt” sind bereits ausverkauft. Eventuelle Restkarten an der Abendkasse.

Quelle: http://www.intrinet.de/20010705/ku305557.htm



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