Antworten • Antwort schreiben • Guildo-News Geschrieben von sixties am 17. Juli 2006 um 13:38:
Interview mit Guildo Horn "Miteinander zu lachen ist wichtig"
Schon seit Jahren sorgt Guildo Horn mit seiner Band "Die Orthopädischen Strümpfe" für Schlagzeilen. Nun lernen wir den Musiker und Diplom-Pädagogen von einer ganz anderen Seite kennen: Ab dem 18. Juli moderiert er eine Talkshow mit geistig behinderten Menschen. Im Interview erzählt er, was er sich von der Sendung erhofft.
SWR.de: Was erwartet uns denn in der Talkshow "Guildo und seine Gäste"?
Guildo Horn liest mit seinen Gästen Zeitung (Quelle: SWR, Foto: Klaus Görgen)
Die Gäste sind wichtig, nicht ihr Handicap
Horn: Wir machen ein neues Talkformat. Meine Gäste sind geistig Behinderte, mehrfach Behinderte und lernbehinderte Erwachsene. Wir reden über Gott und die Welt, über alles, was uns bewegt. Für mich sind Behinderte ganz normale Menschen. Im Grunde genommen interessiert mich nicht die Behinderung, sondern nur der Mensch selbst.Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Talkshow mit geistig Behinderten zu machen?
Ich bin mit geistig Behinderten aufgewachsen, weil meine Mutter seit Jahren bei der Lebenshilfe arbeitet. Der Kontakt ist für mich selbstverständlich. In meinem Umkreis habe ich gemerkt, wie wenig informiert die Leute sind. Das ist ein Klientel, mit dem man schlecht in Kontakt kommt. Man kennt es nicht und hat dann vielleicht Vorurteile. Und genau die gilt es abzubauen. Wir wollten einfach zeigen, wie viel Qualität dahinter steckt.
Guildo Horn liegt auf Couch (Quelle: SWR, Foto: Katja Hemmer)
Show gehört aber auch weiterhin dazu
Ich muss dazu sagen, dass ich Diplom-Pädagoge bin und und auch in Behinderten-Werkstätten als Musiklehrer gearbeitet und Theatergruppen angeboten habe. Es ist nun ein Spaß für mich, diese Talkshow zu machen. Ich habe nicht das Gefühl, jetzt ein unglaublich soziales Ding zu machen. Ich bin einfach gerne mit diesen Leuten zusammen, weil das so spontan, ursprünglich und wenig problembelastet ist. Und das möchte ich ganz einfach auch mit anderen Menschen teilen.Führt man geistig Behinderte in einer solchen Sendung nicht vor?
Für mich gibt es das gar nicht. Für mich ist es einfach normal, locker miteinander umzugehen. Man muss die Leute ja nicht immer komplett in einen Wattemantel packen. Wir lachen übereinander. Wir lachen über mich, ich lache über sie. Miteinander zu lachen ist wichtig und eine wunderschöne Sache. Man kann den Leuten schon ein bisschen was zutrauen. Jeder von uns ist behindert auf die ein oder andere Weise. Ich fühle mich keinen Deut besser.
Guildo Horn (Quelle: SWR, Foto: Katja Hemmer)
Die Talkshow soll Berührungsängste abbauen
Und außerdem, sind sie, wenn sie auf die Straße gehen, ja auch ganz normal unterwegs und werden ständig angeglotzt. Indem man im Fernsehen ein solches Forum anbietet, bauen sich vielleicht auch Berührungsängste ab. In meiner Sendung gibt es sozusagen einen Erstkontakt über den Fernseher. Hier erscheinen die Leute einmal nicht als Hilfeempfänger, sondern als Menschen. Und das finde ich sehr wichtig.Wieso laden Sie nur behinderte Menschen ein und machen keine "gemischte" Talkshow, wenn Sie Vorurteile abbauen wollen?
Es ist ein Experiment. Wir machen vier Sendungen und schauen, was dabei herauskommt. Ein solches Format hat es bislang noch nicht gegeben. Für uns ist es spannend zu beobachten, wer das sehen und vor allem, wer Spaß daran finden wird. Auch für mich ist es ein ganz neues Gebiet, ich habe ja auch noch nie moderiert. Ich kann mir vorstellen, künftig auch weitere Gäste einzuladen. Aber wenn wir jetzt erst mal nur vier Sendungen von je einer halben Stunde haben, kann man nicht direkt alles abfackeln und die ganze Welt dazubitten. Aber eine interessante Sache wäre es allemal.
Was machen Sie denn außer der Talkshow momentan noch?
Guildo Horn an Schlagzeug (Quelle: SWR, Foto: Katja Hemmer)
Auch am Schlagzeug ein Profi
Ich trete weiterhin viel mit meiner Band "Guildo Horn und die orthopädischen Strümpfe" auf. Anfang dieses Jahres habe ich fast ausschließlich Theater gespielt, in drei Produktionen parallel: "Kiss me Kate" in Essen im Aalto-Musiktheater, das Musical "Paradise of Pain" in Trier und "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" in Düsseldorf.Und natürlich bereiten wir jetzt die Sendung vor, was eine ganze Menge Konzentration und Denkarbeit in Anspruch nimmt. Und viel organisatorische Arbeit bedeutet.
Die Fragen stellte: Katja Hemmer
Quelle: SWR
- Re: interview zur talkshow Martin 20:43 18.7.2006 (0)