nachlese antikenfestspiele


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Geschrieben von tina am 02. August 2001 um 13:11:

ANTIKENFESTIVAL

Bekannte Gesichter, gemischte Ansichten

Wie die überregionale Presse die Antikenfestspiele beurteilt

TRIER. (vk) Nie war die Medienpräsenz bei den Antikenfestspielen so groß wie in diesem Jahr. Besonders erpicht waren Fernseh- wie Print-Journalisten auf die Operette "Orpheus in der Unterwelt” mit Guildo Horn, Elke Sommer, Gitte Haenning und René Kollo. Der Trierische Volksfreund hat im Blätterwald gestöbert, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

L'ORFEO:

Die Rheinpfalz: L'Orfeo erfuhr in Trier eine ausgesprochen inspirierte, stilvolle Realisierung von hohem artistischen Raffinement. Halmen integrierte gewandt und auf sehr einfallsreiche Art die suggestive, optisch hoch attraktive Kulisse der Kaiserthermen … in seine Ausstattung. … Halmen dachte in erster Linie in Bildern und wartete mit optisch erlesenen Schöpfungen, mit elegant verspieltem Fest der Farben, Formen und Bewegungen auf.… Behutsam, nuanciert, klanglich gepflegt – intonatorisch allerdings doch etwas ungenau – die Wiedergabe des ungarischen Savaria Baroque Orchestra unter Pàl Némeths einfühlsamer Leitung.

Rhein-Neckar-Zeitung: Mit Monteverdis 1607 uraufgeführtem … Werk … die Antikenfestspiele zu beginnen, nötigt Festspielleiter Heinz Lukas-Kindermann Mut zum Wagnis ab. Dass die hohen Erwartungen eines mit dem bekannten Stoff vertrauten Publikums in Trier nur bedingt erfüllt werden konnten, mag an der Verpflichtung in der Regel noch sehr junger, wenig erfahrener Sänger gelegen haben, von denen allein die souveräne Sopranistin Heidi Zehnder mit hohem, klarem, etwas zur Schärfe neigendem Organ den Anforderungen voll gerecht wurde. … Orfeo selbst erscheint mit dem bisher vor allem in Konzerten hevorgetretenen österreichischen Nachwuchssänger Bartolo Musil allzu jung besetzt. Weder vermag seine noch kleine, eng geführte Stimme in dem großen Freiraum zu überzeugen, noch seine Darstellung, die mehr den unentschiedenen kleinen Hirten zeigt als den todesmutig Liebenden … Gut der weitgehend sauber singende… Chor. Ein Lob für das kleine Savaria Baroque Orchester, das unter Pàl Némeths Leitung zuve Gießener Allgemeine: Vorbedingung für die Realisation des anpruchsvollen Opus sind das Ausspähen eines mit alten Stoffen wie Freilichtaufführungen bestens vertrauten Regisseurs und topsichere, erfahrene Sänger-Schauspieler, die mit Stimme, Spieltalent und deutlicher Artikulation den weiten "Raum” zu erfüllen und Orfeos vom Glückstaumel bis zum bitteren Leid reichendes Schicksal überzeugend darzustellen wissen. Die Regie liegt wieder in Händen Pet Halmens, der auf dem vom antiken Gemäuer prachtvoll gerahmten Spielfläche ein wirkungsvolles "Thrakienbild” schuf… Ein Kammerspiel im Kostüm der Großen Oper, das Stil, Formgefühl und großen Farbsinn, kurz, den versierten Theatermann Halmen verrät…

Neue Rhein-Zeitung: Eine schönere Kulisse als die alten Kaiserthermen lässt sich kaum finden. Der Ästhetik der frühen Oper folgend, besteht die Musik im Wesentlichen aus differenziert deklamierten Rezitativen und Choreinlagen … Was Halmen an optischer Farbigkeit einbringt, spart er an lebendiger Personenführung.… Der gewollt antiquierte Habitus wirkt auf Dauer steif. Ein achtbarer Erfolg, vor allem für Bartolo Musil in der Titelrolle, Heidi Zehnder gleich in drei Partien und Nina Berten als Euridice.

Wetzlarer Neue Zeitung: Die Musik der 1607 in Mantua uraufgeführten Monteverdi-Oper "L'Orfeo” ist Begegnung mit Musik-Geschichte und fordert die an klassische Oper orientierten Ohren doch gewaltig. Wenig publikumsfreundlich sind die vielen Treppen zur Tribüne, die nur durch einen schmalen Zugang zu erreichen ist.

Luxemburger Wort: Die Inszenierung durchschritt die Jubel- und Leidensphasen des Titelhelden … Bartolo Musil verkörperte den antiken Sänger… in herben Koloraturen und unermüdlichem Parlando der Klagegesänge.

Rhein-Zeitung: Die Symbolik der Bilder, die Tänze des in Blumengewandungen auftretenden Balletts und die Bewegungsregie des von Martin Folz einstudierten Monteverdi-Chores lenken dennoch nicht vom Zentrum ab. Das Savaria Baroque Orchestra Budapest brachte unter der Leitung von Pàl Németh… die große kompositorische Vielfalt des großen italienischen Operngestus in historischem Anklang zum Ausdruck.


ORPHEUS IN DER UNTERWELT:

Die Rheinpfalz: Vor der historischen Kulisse wurde ein sehr vergnügliches, opulentes Spektakel serviert. Lukas-Kindermanns beschwingte, pointenreich verspielte Inszenierung brachte bizarres, übermütig entfesseltes Musiktheater und traf recht genau den Nerv der Offenbachiade. Elke Sommer… wartete mit einer schauspielerischen Glanzleistung auf, René Kollo profilierte sich als Vollblut-Komödiant, und Guildo Horn lieferte als melancholisch schwachsinniger Styx ein urkomisches Kabinettstückchen ab.

Der Tagesspiegel: Guildo schlurft im Biene-Maja-Kostüm auf die Freilichtbühne, nähert sich Eurydike im Hades mit komplizierten Konjunktiv-Komplimenten, hat keine Chance… …vor Eurydike vergisst er seinen Text, was aber nicht schlimm ist. … Auch Elke Sommer kann nicht singen, und auch das macht rein gar nichts.… Und schließlich ist auch René Kollos arkadische Zeit längst passé, weshalb die Götter nebst Gattin Juno (Gitte Haenning auf rotem Stöckelschuh) gegen Kollo-Jupiter revoltieren…

Luxemburger Wort: So war es denn ein Abend mit dem Figurenpersonal der antiken Mythologie, jedoch in deftiger Parodierung. René Kollo als Jupiter agierte hier in voller Stimmkraft an der Spitze und lieferte besonders in seinem Boudoir-Auftritt als silberne Fliege ein komödiantisches Kabinettstück der Verführungskünste ab.… In temperamentvoller Dynamik und energischer Stimmgestaltung bot Carmen Fuggiss die unzufriedene Ex-Gattin Eurydice, die nach ihrer Trennung vom singenden Gatten dann als Bacchantin in die olympischen Gefilde Jupiters eingeführt wird.

Rhein-Zeitung: Festspielleiter Heinz Lukas-Kindermann hat die Operette in den Kaiserthermen selbst inszeniert. Heiterkeit löste die Kommentierung der Öffentlichen Meinung in Gestalt Elke Sommers aus… Hier wurde es fast kabarettistisch, wie überhaupt die Inszenierung allenthalben politische Akzente setzte. … Als komische Figur des Styx… konnte der Trierer Schlagerist Guildo Horn die Lacher auf sich vereinigen.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: Wer jemals eine Ahnung von Offenbachs intelligentem Witz hatte, von seinen musikalischen Zärtlichkeiten und Frechheiten, vor allem von seiner Vitalität, den muss bei diesem tumben Trauerspiel die schiere Verzweiflung packen. Das pressewirksame Engagement von Stars wie René Kollo (konnte mal singen), Gitte Haenning (hat nichts zu singen) und Guildo Horn (einziger Lichtblick als ehemaliger Prinz von Arkadien) schafft die Fallhöhe für einen Abend, der geradewegs in die übelste Schmierentheater-Unterwelt führt.

Mainzer Allgemeine Zeitung: Zum Vergnügen des Publikums haben die Schauspielerin Elke Sommer, Jazzsängerin Gitte Haenning und Schlagerstar Guildo Horn bei den Antikenfestspielen in Trier ihr Operettendebüt gegeben. Besonders der Trierer Guildo Horn wurde von seinen Fans in Heinz Lukas-Kindermanns Inszenierung von Jacques Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt” auf der Freilichtbühne in den antiken Kaiserthermen gefeiert.

Quelle: http://www.intrinet.de/20010802/ku429607.htm




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