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 Diesmal hatten wir als “sixties” gemeinsam die Gelegenheit
, die Premiere der Aufführung von "Orpheus in der Unterwelt" in den Kaiserthermen in Trier zu besuchen. Im letzten Jahr hatte nur Bettina es zur Premiere geschafft.
Tina und Till sahen sich das Ganze bei der letzten Aufführung im Jahr 2001 an. Bei wirklich kaiserlichem Wetter ohne eine Wolke am Himmel bot das Ensemble rund um den Intendaten Heinz-Lucas Kindermann eine
wunderbare Wiederaufführung des Publikumsrenners aus dem Vorjahr. Mit leicht geänderter Besetzung (ohne Gitte Haenning und mit einem anderen Orpheus) wurde vor ausverkauftem Haus noch einmal die
witzig-satirische Geschichte rund um Liebe, Leidenschaft und Eheprobleme gespielt. Wir haben bereits im letzten Jahr die Geschichte des Stückes erzählt, deswegen hier nur eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes:
Die Ehe zwischen Orpheus und Euridice ist zerrüttet. Euridice hat Aristeus als Liebhaber und
Orpheus liebäugelt mit der Nymphe Cloe. Obwohl weder Orpheus noch Euridice Wert auf den fortbestand der Ehe legen, muß Orpheus doch den Schein vor der Gesellschaft wahren.
Bevor sie auseinandergehen, macht Orpheus noch eine Andeutung bezüglich einer Gefahr im Kornfeld, durch welches sich Aristeus gerade nähert. Euridice versucht, den Geliebten zu
warnen, weiß jedoch nicht, daß ihr Liebster der personifizierte Höllengott Pluto ist. Von einer Schlange gebissen stirbt sie, Aristeus wird zu Pluto und läßt die Halbtote
an Orpheus' Haus die Sterbensbotschaft schreiben, der beim Lesen sein Glück kaum fassen kann. Doch die Freude währt nicht lange: Die Öffentliche Meinung droht
Orpheus mit dem Verlust seines gesellschaftlichen Ansehens, falls er nicht im Olymp vor Jupiter seine Frau zurückerfleht, die sich bereits als Gefangene Plutos auf dem Weg in die Unterwelt befindet. Die Götter
sind ihres Götterlebens längst überdrüssig geworden: Es herrscht Korruption, und man intrigiert gegeneinander. Jupiter - eigentlich höchste Gottheit und in seinen Entscheidungen unfehlbar - wird in seinen
Entscheidungen nicht mehr ernst genommen, und als er für eine höhere Moral plädiert, führt man ihm seine eigenen galanten Abenteuer vor. Besonders kritisiert Jupiter seinen Bruder
Pluto wegen dessen Entführung Euridices. Pluto, inzwischen im Olymp erschienen, versucht eine sich entfachende  Revolution gegen Jupiter zu nutzen, doch unerwartet erscheint Orpheus mit der Öffentlichen Meinung im Olymp und
schildert den Fall. Aus Mißtrauen zu Pluto und froh über jede Abwechslung, beschließen die Götter, die von der Erde verschwundene Euridice in der Unterwelt zu suchen. Hans Styx soll Euridice bewachen.
Als die Götter nahen, versteckt er Euridice. Doch Jupiter - welcher erprobt ist in der Kunst des Verkleidens - wittert sofort die schöne Frau und nähert sich ihr als Fliege, indem er durch das Schlüsselloch fliegt. Er umwirbt die faszinierte
Euridice mit dem Ziel, sie anschließend zum Gastmahl des Pluto zu führen. Euridice kann sich als Bacchantin verkleidet zu den erlauchten Gästen
gesellen. Beim Tanze möchte Jupiter, der leider vergißt, daß er Euridice an Orpheus zurückversprochen hatte, Euridice entführen. Pluto beobachtet das Geschehen genau, um das Vorhaben im letzten Moment zu vereiteln. Beim
Auftritt von Orpheus und der Öffentlichen Meinung wird Jupiter zu einer Entscheidung gezwungen. Unter der Voraussetzung, daß sich Orpheus auf dem Weg in die Oberwelt nicht zu Euridice umdreht, gestattet er
schließlich dem verzweifelten Ehemann, seine Frau zurückzugewinnen. Obwohl Orpheus die Chance nutzen möchte, sich endlich auf diesem Wege seiner gattin zu entledigen, so muß er doch der scharfzüngigen
Öffentlichen Meinung gehorchen und Stärke beweisen. Jupiter merkt erschrocken, daß Orpheus nicht zurückblickt, macht sich allerdings einen Blitz zunutze, der letztlich bewirkt, daß Orpheus sich umdreht.
Dadurch verliert er Euridice, die Jupiter sich nicht zu eigen macht, sondern zur Bacchantin ernennt.
In die Aufführung wurden einige herrlich spitze Bemerkungen zum aktuellen Zeitgeschehen
eingebaut. Von Jupiters Ärger über die T-Aktie und seiner Frage an Merkur "Telekom - ja gibt’s
die denn noch ? " über Anspielungen der "öffentlichen Meinung" auf den " Sommer" und die kommende Bundestagswahl wurde deftig "ge-offenbacht". Der Komponist hätte sicherlich
seine helle Freude an dem Gebotenen gehabt. Aber natürlich setzte Guildo als Hans Stücks noch einen drauf. Sein "Prinz von Arkadien" enthielt eine neue Strophe, in der der Prinz mit Oli Kahn kickte - in Südkorea und Japahn. Auch
eine fussballerische Einlage durfte da nicht fehlen. Das Publikum wurde kurzfristig zum Spielfeld umfunktioniert. Herr Schröer spielte auch sehr nett mit. Wirklich umwerfend was Guildo da wieder geboten
hat. Mit noch leidenderer Stimme als im Vorjahr beklagte der "Leierkasten auf zwei Beinen" seine Lebenssituation. Aber Euridyke konnte ihn auch diesmal - wie erwartet - nicht in seinem Flehen nach
Liebe erhören. Auch Elke Sommer spielte ihre Rolle wieder gewohnt herausragend und ging auch auf’s Publikum durchaus ein. Günter Barton brillierte als wahrhaft satanischer, hintertriebener Höllenchef Pluto. Ob die artistische Einlage
huckepack auf Guildos Rücken tatsächlich im Drehbuch stand bezweifeln wir ein bischen. Ein weiteres echtes Highlight war das Can-Can Ballet, das
nach unserer Meinung flotter und mit höherer Präzision tanzte als im Vorjahr. Zum Höhepunkt der Feier in der Unterwelt wurde ein kleines Feuerwerk
entzündet, daß die Kaisertherme in eine strahlende Arena verwandelte. Wir hatten jedenfalls einen Riesenspaß an dem Ganzen. Es war dem gesamten Ensemble und vor allen Dingen auch Guildo anzumerken, daß es den
Menschen auf der Bühne genauso ging.
Bei der Premierenfeier anschliessend gab es ein sehr schönes und vollkommen unerwartetets
Wiedersehen mit dem Darsteller des Löwen aus dem Zauberer von Oz, Jens Wassermann. Noch lange haben wir zusammengesessen und über die schöne Zeit in Garmisch geplaudert.
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