Trier, 4. Juli 2004

Zur Premiere der Operette mit Guildo hatten wir es diesmal nicht geschafft und so war unsere eigene Premiere am Sonntag. Der Wettergott meinte es nicht gut mit uns, deshalb mussten Ensemble und Zuschauer der Aufführung leider ins Theater Trier ausweichen. Schade, die Kulisse der Kaiserthermen hätte der Aufführung mit Sicherheit ein netteres Ambiente geboten. Dadurch konnten nicht alle Inhaber von Tickets die Vorstellung sehen, denn es gab sogenannte "Schönwetterkarten", die nur für die Kaiserthermen gültig waren, es war also restlos ausverkauft.

Wir hatten sehr große Probleme dem Stück zu folgen, denn rein akustisch waren sowohl die Soli als auch die Chöre und sie Sprache nur mit großer Anstrengung zu verstehen. Zum Glück war uns die Handlung vorher bekannt, so daß wir erahnen konnten, worum es ging. Schade, daß die größtenteils guten darstellerischen Leistungen durch diese technischen Probleme so stark gemindert wurden.

Das Bühnenbild war sehr minimalistisch. Der erste Akt wurde kurzerhand an den Strand verlegt, an dem Helena im zweiten Akt kurzerhand auch ihr Schlafgemach in einem Gartenpavillon fand. Praktisch, so musste sie im dritten Akt nicht so weit reisen – Pavillon weg, schon ist sie wieder am Strand, wo der dritte Akt hingehört. Ob allerdings der ansonsten doch sehr anspruchsvollen Diva Helena die spartanischen Liegestühle als Palastmobiliar genügen, wagen wir zu bezweifeln.

Die Satire und die Komik Offenbachs hat bei dieser Inszenierung beim Publikum leider nicht gezündet: wir haben kaum jemanden lachen gehört. Lediglich bei den gelegentlichen Einwürfen von Helmut Leiendecker (Ajax II) und natürlich bei einigen Kabinettstückchen Guildos (Menelaus) gab es Heiterkeit im Publikum. So hatte der arme bedauernswerte Menelaus dafür zu Sorgen, daß die Haut seiner zickigen Gattin nicht von der Sonne geschädigt wird. Dazu suchte er zunächst den optimalen Standort für einen Sonnenschirm. Er war so fürsorglich zu seiner Ehefrau, daß er dazu sogar den Orchestergraben mitsamt Sonnenschirm überwand und den Schirm beim Publikum stationierte. Danach cremte er seine Gattin so dick ein, als hätte er einen Werbevertrag mit der Sonnencreme-Herstellungs-Firma.

Guildo spielte den trotteligen König Menelaus gekonnt und außerordentlich überzeugend, wir meinen jedoch, daß seine hervorragende gesangliche und schauspielerische Leistung durch die leider etwas dröge Inszenierung etwas unterging. Wo waren die Leichtigkeit, Spritzigkeit und der mitreißende Charme eines "Orpheus in der Unterwelt" ? Natürlich mag das auch am Stück selber liegen, das können wir nicht beurteilen. Vielleicht war es ja auch künstlerisch wertvoll und wir Kulturbanausen haben das nur nicht erkannt, keine Ahnung.

Ein echtes Highlight war allerdings der Strampelanzug, den Guildo im dritten Akt trug. Sehr kleidsam, sollte er öfter tragen ;-)

 

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stand der seiten Apr 24, 2007