Till

Wenn man so als gestandener Musiker und du warst ja auch schon vorher aktiv in Bands, gesagt bekommt: geh doch mal zu Guildo Horn. Wie fühlt man sich da? Guildo Horn ist ja doch was Anderes.

Schrader

Das ist jedenfalls nicht stringent die Linie, die ich vorher verfolgt habe. Ich habe vorher in der Regel auch deutschsprachig Sachen gemacht. Das waren Bands, in denen man selber Songs geschrieben hat, deutschsprachig, auch im Pop Bereich, mal etwas härter, vielleicht ein Schlag melancholischer, aber letztendlich auch Musik. Nichts ganz wildes mit irgendwelchen Orgelpfeifen, auf einem Berg sitzen oder 12 Ton Musik oder so, aber schon was Anderes. Das reizvolle an Horn ist natürlich, was auch den Fan fesselt, daß du einen sehr charismatischen Frontman eine sehr breit gefächerte Musik hast. Zusätzlich ist reizvoll, daß kein Konzert wie das Andere ist. Keine festen Abfolgen, es entwickelt sich eigentlich. Es entsteht sehr viel auf der Bühne. Ich habe ja jetzt auch schon das ein oder andere Konzert mitgespielt. Jeden Abend ist wieder ein bißchen anders. Durch diese Individualität der Gigs ist es natürlich auch eine sehr spannende Sache. Wenn du landläufig gefragt wirst, wird das ja einfach nur in die Schublade Schlager gesteckt. Das trifft es ja gar nicht.

Till

Es ist halt wenig bekannt, daß das mit Schlager nur am Rande zu tun hat. Es ist eine Rock-Pop-Show der Extraklasse. Das sage ich nicht aus Lobhudelei, sondern weil ich das finde. Ich denke, viele Leute würden im Konzert sehr schnell überzeugt.

Schrader

Es sind auch viele, die sagen: “jo Horn, das gucke ich mir mal an”. Eigentlich kennen es alle, aber richtig kennt es keiner.

Tina

In letzter Zeit haben wir auch den Eindruck, daß Programme mal spontan auf der Bühne umgestellt werden.

Schrader

Ja, das gehört dazu. Es wird ja immer spannender. Ich finde das gut. Da hat man mal auf einen Zettel geschrieben, was man sich überlegt hat, wenn man merkt - was heißt man, man ist da schon der Chef vom ganzen - wenn er dann irgendwie meint, jetzt muß irgendwas mit mehr Zug kommen oder weniger Zug, oder kann nicht mehr, außer Atem, dann wird einfach mal irgendwas Anderes gemacht. Je nach dem was auch weiter passiert, was rundrum ist. Oder irgendwelche Stücke werden extended, weil sie besonders gut gekommen sind. Es geht ja auch letztendlich nicht nur darum, daß die Musiker da irgendwie verschnaufen oder Veränderung da ist, sondern wie das Publikum drauf reagiert. Das ist ja Interaktion. Das ist ja das schöne, daß man direkt auf die Situation eingehen kann. Mit einem festgestampften Ding, wo du alles mit Sequenzern oder Mitläufern, Bändern oder Midi Files machst, bist du natürlich nicht so flexibel. So Programmabläufe, wo choreografisch jeder kleinste Schritt mit automatischem Digitallicht machst, kannst du nicht einfach mal sagen: Wir machen jetzt mal so. Da ist Feierabend, das geht nicht. Das ist natürlich zusätzlich reizvoll.

Till

Diese spontanen Sachen sind natürlich das, was uns einen riesen Spaß macht. Wir haben euch ja seinerzeit in Leipzig bei diesem Weihnachts - Adventssingen erleben dürfen

Schrader

Geile Sache

Till

Das war ja wohl superklasse.

Schrader

Ich fand das auch gnadenlos gut. Diese akustische, diese reduzierte Sache, ist ja eigentlich eine sehr ehrliche, sehr nackte Sache. Die kann auch ganz schnell in die Hose gehen, die kann aber auch fulminant funktionieren. Ich mache das ja mit der Sonia auf einem ganz anderen Terrain, aber wenn der rahmen stimmt, ist das grandios, dann macht das Riesenspaß. Das ist ganz direkt, ganz nackt. Wirklich so mit einem ganz kleinen Schlüpfer.

Tina

Leipzig und der Auftritt auf dem Xantener Weihnachtsmarkt waren für mich letztes Jahr die wirklichen Highlights.

Schrader

Tatsächlich? Findet ihr das so gut?

Till

Das war superklasse

Schrader

Xanten war ja eine ganz wilde Glühweinabteilung.

Till

Es fing noch an zu schneien, das sah besonders toll aus. Wahrscheinlich ist das auch, weil das Musik pur ist. Da ist keine Elektronik, kein großer Ping-ming, da zeigt sich, was ein Musiker kann, ohne großartiges Drumherum. Auf einer E-Gitarre einen Akkord nehmen, einen Verzerrer dahinter bauen und dann draufhauen, könnte ich noch. Das würde dann auch irgendwie gut klingen, über eine große Anlage kommt das bestimmt geil, aber hat mit Musik nicht viel zu tun. Aber auf einer Gretsch oder Takamine gleichzeitig auch noch Schlagzeug spielen, wie du das bei schrader@vigant zeitweise machst, das nötigt uns schon eine menge Respekt ab. Das macht Spaß. Das ist richtig klasse. Bist du eigentlich gelernter Musiker?

Schrader

Ne, also du meinst jetzt, daß ich da irgendwie eine Ausbildung in den Staaten gemacht habe oder so. Gelernt habe ich das Gitarre spielen über meine Oma. Die hat mich musikalisch früh erzogen. Vielleicht erwähnte ich schon mal, daß ich zum ersten mal beim Geburtstag meines Opas, da war ich vielleicht 10 oder 11, zum ersten mal in die Saiten gegriffen habe. Meine Oma an der Orgel. Der Opa muß jetzt ein Geburtstagsständchen bekommen. Meine Oma spielte Orgel, Gitarre und so und hat gesagt: “Ich Orgel, du Gitarre”. Da mußte ich mir die 3 Akkorde draufschaffen, und es hat geklappt. Wunderbar, der Junge ist talentiert. Schickt den irgendwo hin. Meine Großeltern haben ab dem 5. 6. Lebensjahr 200 -300 km von uns weg gewohnt. Da mußte das ferndiagnostisch irgendwie vorangetrieben werden. Der junge muß irgendwo Unterricht nehmen und sie hat das dann auch sehr forciert. Ich bin ein halbes Jahr oder ein Jahr irgendwo in Köln zum Gruppen-Gitarrenunterricht gegangen. Das war ein guter Unterricht, also nicht so Noten und sowas, sondern wir fingen direkt mit 2-3 Akkorden an und haben auch direkt dazu gesungen. Für mich als präpubertären Jungen war das richtig geil. Du kannst brüllen, und alles, war eine geile Sache. Das war aber irgendwann so, daß ich ziemlich schnell vorne weg war, das war dann irgendwie langweilig geworden. Da habe ich dann auch versucht meine Lieblingsplatten soweit ich damals konnte nachzuspielen und drauf einzusteigen und dann wurde peu a peu immer mehr abgeguckt bei Konzerten und ich habe mich dann einfach weiter entwickelt.

Tina

Da wären wir beim Thema: Was war deine erste platte?

Schrader

Meine erste Plattenaufnahme?

Tina

Nein, deine erste Platte, die du gekauft hast.

Schrader

Die erste platte war ich glaube fox on the run von Sweet, aber das sind mehrere, bei denen ich jetzt nicht genau weiß welche die erste war. Die stehen so nebeneinander, aber “fox on the run” von Sweet war eine sehr Frühe. Graham Bonney hatte ich auch eine, da weiß ich jetzt nicht, ob die nicht noch einen Schlag vorher war. Und ich hatte natürlich auch Heintje. Ich bin mir jetzt unsicher.

Till

“Fox on the run” von the Sweet, das dürfte so 73 gewesen sein.

Schrader

Ja 74 oder so, aber ich glaube Graham Bonney “Rosemarie and Companie” war die erste richtig gekaufte. Die anderen waren alle abgeschwatzt. Ich hatte z.B. auch Casey Jones and the Governers. Kennt ihr den? Der hatte eine Scheibe “Jack the riper”. Hat mich total begeistert, hat mir auch Angst gemacht, habe ich aber trotzdem gehört. Ich habe in der zeit auch viel Alexandra gehört, vielleicht kommen meine melancholischen Einflüsse aus der Zeit. Taiga, Tundra, wo auch immer.

Tina

Der Baum

Schrader

Der Baum. Ich glaube ich bin doch für Graham Bonney.

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stand der seiten Apr 12, 2007